Konzentration in der Bauwirtschaft – Chance und Risiko auf Ergebnissteigerung durch gezielte Übernahmen

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Konzentration in der Bauwirtschaft – Chance und Risiko auf Ergebnissteigerung durch gezielte Übernahmen

Aufgrund des Margendrucks gibt es vor allem in der mittelständischen Bauwirtschaft seit jeher viele Übernahmen. Trotz toller Zahlen vor der Übernahme und einem scheinbar tollen strategischen fit stellt sich der erhoffte Erfolg häufig nicht ein und kommt es in den Folgejahren zu Abwertungen und Ergebniseinbrüchen.

Um sich diesem empirisch beobachtbaren Phänomen zu nähern lohnt sich zunächst ein Blick auf den Kaufgegenstand. Filetiert man diese zum Zwecke der Analyse besteht eine Baufirma im Wesentlichen aus folgenden Assets:

  1. ihren aktuellen Baustellen und den hieraus erzielbaren Ergebnissen
  2. den im Besitz befindlichen Baugeräten
  3. Know How der Mitarbeiterdurch durch welches künftige Projekte gewonnen und gewinnbringend abgewickelt werden sollen
  4. ihrer Marke

Analysieren wir den Wert dieser Assets Schritt für Schritt:

  1. Aktuelle Baustellen und hieraus erzielbare Ergebnisse

Häufig zeigt sich im Nachhinein, dass sich die aktuellen Projekte zum Kaufzeitpunkt zu gut darstellten. Hierbei handelt es sich nicht (zwingend) um betrügerisches Vorgehen, sondern vielmehr um ein bekanntes Phänomen. So reporten Baustellen häufig lange Zeit ihre ursprünglich kalkulierte Marge als lfd. Projektergebnis bevor sie auf den letzten 10 – 20% einen Teil der Marge verlieren.

Grafik: häufig beobachtete Ergebnisdarstellung von Baustellen

  1. Baugeräte

Baugeräte sind einerseits aufgrund der Kapitalbindung, andererseits aufgrund der spezifischen Wartungsthematik zumeist geleast und stellen somit keinen wirklichen Mehrwert dar. Der Wert der im Eigentum befindlichen Baugeräte ist relativ zum Kaufpreis zumeist unbedeutend.

  1. Know How der Mitarbeiter

Das Know How der Mitarbeiter ist wahrscheinlich der objektiv beste Grund eine Baufirma zu kaufen, doch sollte nicht vergessen werden, dass die Sklaverei Gott sei Dank schon vor langer Zeit abgeschafft wurde. Mitarbeiter wählen jeden Tag neu, ob sie für das Unternehmen arbeiten möchten. Häufig zeigt sich, dass Mitarbeiter im Zuge von Übernahmen das Unternehmen verlassen. Die Gründe sind vielfältig und reichen von der persönlichen Bindung zum Vorgesetzten bis hin zur Marke des Dienstwagens.

  1. Marke des Targets

Die Marke des Targets ist theoretisch ein weiterer guter Grund für den Erwerb einer Baufirma. Gleichzeitig verschwindet diese meist binnen kurzer Zeit nach der Übernahme im Zuge der Integration.

Bei genauerer Betrachtung stellen sich also viele der erworbenen Assets als nicht werthaltig heraus. Auch sollten die miteingekauften Haftungsrisiken nicht unterschätzt werden. So können heute professionell agierende Baufirmen in der Vergangenheit Fehler gemacht haben für welche der Käufer später noch haftet.

Zu guter Letzt sollten auch die einmaligen Integrationskosten nicht unterschätzt werden, die im margenschwachen Baugeschäft erst wieder verdient werden müssen.

Bedeutet dies, das Übernahmen in der Baubranche grundsätzlich zu Misserfolg führen?

Nicht zwingend, doch sollte das Geschäftsmodell des Targets vorab einer kritischen Tauglichkeitsprüfung im neuen, größeren setting unterzogen werden. Folgende Fragen können hierbei helfen:

  • Sind Geschwindigkeit und Flexibilität key für den Erfolg der Firma?
  • Sind die persönlichen Kontakte des bisherigen Eigentümers wichtig für den Erfolg?
  • Hat das Unternehmen lukrative Dienstleistungen erbracht, die vom neuen Eigentümer aus Imagegründen nicht angeboten werden können?
  • Basiert der Erfolg des Unternehmens auf einer sehr schlanken Verwaltung und somit geringen Overheads?

Je mehr der o.a. Fragen mit Ja beantwortet werden können, desto geringer die Chance einer finanziell erfolgreichen Entwicklung im (Konzern-)verbund.

Zum anderen ist es wichtig eine realistische Einschätzung hinsichtlich der zu erwartenden Fluktuation und des hiermit einhergehenden brain drains zu entwickeln. Konkret empfiehlt sich:

  • eine Analyse der Gehaltsstruktur
  • eine Analyse der Zielvereinbarungen und Bonus-Struktur
  • ein Vergleich der Dienstwagen policy samt vereinbarter Kostentragung
  • ein kritischer Blick auf die Unternehmenskultur und
  • speziell mit Blick auf die zweite Ebene des Targets eine realistische Einschätzung der nicht monetären Arbeitsmotivation. So mögen Bau- oder Gruppenbauleiter, die voller Motivation an einen charismatischen Firmeneigentümer berichtet haben nicht dieselbe Leistungsmotivation aufbringen, wenn sie an einen Abteilungs-/Bereichsleiter einer größeren Einheit berichten.

Gerade hinsichtlich der Manager des Targets erscheint ein gezieltes schrittweises Abwerben vor dem Übernahmeangebot als interessante Alternative. Kommen sie und steigern sie das Ergebnis für ihren neuen Arbeitgeber, ist eine risikoreiche Übernahme möglicherweise nicht notwendig. Kommen sie nicht sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Zuge einer Übernahme dauerhaft bleiben.