Die Lieblingsaffären der CFOs im Baugeschäft

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Die Margen im Baugeschäft sind verglichen mit anderen Industrien gering. So wird bei vielen (größeren) Baufirmen eine EBIT-Marge von 3-4% bereits als sehr guter Wert gesehen, wogegen in vielen produzierenden Industrien EBIT-Margen von 7% und mehr den üblichen Rahmen darstellen.  Die Gründe für diese Margenschwäche reichen von schlechten Preisen, welche von oftmals ohnehin bereits konkursgefährdeten Anbietern verursacht werden, bis hin zu erhöhten Qualitätskosten, welche das technisch komplexe und oftmals unter Zeitdruck stattfindende Baugeschäft mit sich bringt.

Umso wichtiger ist die Optimierung des Kapitaleinsatzes. Und genau hierfür bietet die Baubranche auch zahlreiche Chancen, die in anderen Industrien gänzlich unbekannt sind. Hierzu zählen weitgehend miet- bzw. leasingfähige „Anlagen“ bzw. Geräte und vor allem Anzahlungen, die im Baugeschäft weit verbreitet sind.

Überspitzt formuliert: die Eigenkapitalrendite einer Baufirma, welche es schafft, eine 3% EBIT -Marge zu erzielen und bei allen Aufträgen immer „cash rich“ zu sein ist nur durch die URG Vorgaben einer EK-Quote von mindestens 8% beschränkt. Und dies auf einem sehr hohen Niveau…

Doch wie lassen sich Baufirmen „wertorientiert“ steuern?

Um das Unternehmen wertorientiert zu steuern ist es zunächst notwendig den Kapitaleinsatz auf Ebene der kleinsten zu steuernden Einheit zu kennen; dies ist in aller Regel die Baustelle.

In der Praxis stellt diese Voraussetzung viele Baufirmen bereits vor Probleme, da eine Baustelle in aller Regel kein eigenes Bankkonto hat. Es stellt sich somit die Frage wie man zu einer entsprechenden Darstellung kommt.

Bei kleineren Baufirmen lautet die pragmatische Antwort durch Führung von Ein- und Auszahlungslisten, sprich man exportiert den Kontoauszug in Excel und ordnet jeder Zahlung vom Bankkonto eine Baustelle zu. Bei größeren Baufirmen mit entsprechender ERP-/BI Applikation sollte bei der Auswahl darauf geachtet werden, dass jeder Zahlung zwei wesentliche Informationen mitgegeben werden können. Zum einen die Bau- bzw. administrative Kostenstelle, zum anderen die zugrundeliegende G&V-Position bzw. Kostenart.

Durch die laufende Generierung von Zahlungslisten wird die Basis für ein wertorientiertes Controlling geschaffen. Um aussagekräftig zu sein, müssen allerdings zum jeweiligen Reportingzeitpunkt, also idealerweise monatlich, noch interne Weiterverrechnungen und Umlagen stattfinden, sodass die administrativen Kostenstellen ent- und die Baustellen belastet werden. Der so ermittelte „Kontostand“ der Baustelle bildet Basis für die Berechnung wertorientierter Kennzahlen. Bei größeren Baufirmen mit regionaler und/oder spartenweiser Berichtsstruktur müssen die Werte der jeweils zum Bereich gehörenden Bau- und Kostenstellen aufsummiert werden.

Hinsichtlich der Auswahl der wertorientierten Steuerungskennzahlen gilt die alte Weisheit, dass EVA und ROCE die Namen der beliebtesten Affären von CFOs sind. Zum Thema wie man diese Affären seinem Partner am besten näherbringt gibt es viele Ratgeber, sodass ich an dieser Stelle nicht genauer darauf eingehe.