Fußballvereine als Vorbild für die Organisation einer Baufirma

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Das Baubusiness ist von zunehmender Komplexität geprägt und erfordert viel Spezialwissen aus unterschiedlichen Fachbereichen. So ist es für die erfolgreiche Abwicklung einer Baustelle nicht nur notwendig den Bau an sich, sondern auch zahlreiche Supportprozesse wie Einkauf, Bilanzierung oder die Rechtslage zu beherrschen. Kein Mensch beherrscht all diese Themen, weshalb die Zusammenarbeit vieler entscheidend für den Erfolg ist.

Hinsichtlich der Organisationsstruktur ist in der kontinentaleuropäischen Praxis häufig die alleinige Ergebnisverantwortung des Bau- bzw. Projektleiters zu beobachten. Selbstverständlich erhält er hierfür Support von unterschiedlichen Stellen und muss er sich zumeist auch an ein paar Unternehmensregeln halten, doch hat man oft den Eindruck, dass deren Einhaltung nur bei schlechten Ergebnissen in den Vordergrund rückt.

Wenden wir uns somit der Welt des Fußballs, konkret der Rolle des Trainers, zu.

Hier stehen sich zwei Modelle gegenüber. Im englischen System gibt es einen „Manager“, der alles verantwortet und nur dem Eigentümervertreter Rede und Antwort steht. Alle anderen im Verein arbeiten diesem nur zu.

Dem gegenüber steht das kontinentaleuropäische System, wo die Entscheidungen verteilt sind. So führt beispielsweise ein Sportvorstand die Verhandlungen mit Spielern und deren Beratern. In manchen Vereinen kümmert sich ein eigens installierter Finanzvorstand um die Finanzen und gibt den Rahmen vor, in dem sich die Verantwortlichen bei Neuverpflichtungen und Gehaltsverhandlungen zu bewegen haben. Der Trainer wiederum sorgt dafür, dass die vorhandene Mannschaft auf dem Platz funktioniert und bestmögliche Ergebnisse liefert.

Heuer führen englische Clubs die Champions League an, doch lässt ein Blick auf die letzten 10 Jahre keine generelle Überlegenheit des englischen Systems erkennen. So gewannen englische Clubs nur zweimal in diesem Zeitraum die Championsleague, davon einmal sehr glücklich im Elfmeterschießen. Demgegenüber stehen sechs spanische und zwei deutsche Erfolge. Bezieht man auch die für ein gewinnorientiertes Unternehmen nicht ganz unwichtige Finanzsituation mit ein, so spricht vieles für die deutsche Auslegung des kontinentaleuropäischen Systems.

Dass auch dieses manchmal so seine Schwierigkeiten hat, sah man in den vergangenen Wochen medienwirksam am Beispiel des FC Bayern, wobei ich mir mangels Kenntnis der Vorgänge hinter den Kulissen kein Urteil erlaube wie groß diese waren und wie stark sie durch das sonst höchst erfolgreiche System beeinflusst wurden.

Meines Erachtens kann der Sport, wie so oft, auch hier ein Licht für die Wirtschaft, im konkreten Fall für Bauunternehmen weisen. So stelle ich die These auf, dass eine breitere Verteilung von Verantwortung nach Vorbild des europäischen Fußballmodells zu besseren Ergebnissen führen würde. So könnten sich der Bauleiter mit seinen Assistenten alias Poliere auf das Spiel seines Teams, sprich den optimalen Bauablauf konzentrieren. Andere Tätigkeiten wie z.B. der Einkauf, die Finanzierung oder auch die IT sollten von Spezialisten auf diesen Gebieten übernommen werden. Wichtig ist, und hier kommen wir zur Gemeinsamkeit mit dem Fußball, dass die Verantwortlichen miteinander sprechen und stets Seite an Seite für das bestmögliche Ergebnis kämpfen.

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